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Abschnitt II: Analytischer Teil

4 Allgemeine Vorbemerkungen zur Analyse der Sonaten

Wolter stellt in seiner Arbeit fest, daß sich durch das Werk Schostakowitschs vier Motive ziehen, die immer wiederkehren. Bei diesen Vieren handelt es sich seiner Auffassung nach um folgende (Wolter, S. 197):

4.1 Typische Motive im Schaffen Schostakowitschs

allgemeine Motive

Hinsichtlich des Gewalt - und des d- es - c - h - Motivs stimmt Kopp Wolter dabei zu, daß es sich um häufig verwendete Motive in der Arbeit Schostakowitschs handelt. Sie gibt aber zu bedenken, da das Gewaltmotiv nach ihren Analysen in zahlreichen Sinfonien als „Floskel" Verwendung findet, „...ob es tatsächlich immer als Gewaltmotiv gemeint ist, da z.B. die rhythmische Struktur in Aufwärtsbewegung auch eine konventionelle Walzer - Figur darstellt und es häufig als Auftakt zu Skalenfiguren auftritt" (Kopp, S. 115). Ob Schostakowitsch diese vier Motive, die in der Grundgestalt dargestellt sind, in den beiden zu untersuchenden Klaviersonaten verwendete, wird noch zu zeigen sein. Wesentlich erscheint mir aber, daß eine über lange Jahre andauernde Kontinuität in der Verwendung von Motiven überhaupt vorhanden war, da dieses durchaus auf einen bewußten Einsatz bewährter, also auch einer gewissen Traditionsgebundenheit verschriebener, musikalischer Mittel schließen läßt. Bis auf das „Klagemotiv", das als solches schon lange in dieser Form gedeutet wird, bauen alle vier Hauptmotive auf einer Tonleiter mit Moll - Charakteristik auf.

Das „Gewaltmotiv" basiert auf der von der Terz abwärtsgeführten d - Moll Tonleiter und ist in seiner Charakteristik, einer punktierten Viertel gefolgt von drei Achteln, mittlerweile gängiges Motiv für Spannungseffekte bei Filmmusiken.

Das dritte Motiv, das Wolter anführt, hat durch den Schlußton Fis den Charakter einer phrygischen Tonleiter, also ebenfalls eine Moll - Terz als charakteristisches Intervall.

Sein Namenssymbol, das so auch nur in deutscher Übersetzung interpretierbar ist, geht durch den Schlußton H auf eine harmonische bzw. melodische c- Moll - Tonleiter zurück.

Diese bevorzugte Verwendung von Moll - Charakteristik scheint ein typisches Zeichen russischer Folklore zu sein, die für das westlich geprägte Ohr meistens einen melancholischen Unterton aufweist. Inwieweit Schostakowitsch dieser Affinität zu Moll - Tonarten in den zu untersuchenden Klavierwerken nachkommt, wird im Laufe der Analysen deutlich werden.

Zur Taktzählung sei vorab angemerkt, daß ich Auftakte nicht mitgezählt habe, die Werke oder Sätze also mit dem ersten vollen Takt zu zählen begonnen habe.

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